Unterwasser-Welt-Meere

Kaltwasser-Steinkorallenriff
Kontour_Seestern_130 Kaltwasserkorallen_Karte_hist.

Quelle: Remane in Grimpe und Wagler, Die Tierwelt der Nord- und Ostsee, Leipzig 1940

Fotos vom Lophelia-Riff

Lophelia-Riffe

Mit Korallen-Riffen bringt man zwangsläufig Tropen, Palmen und warmes Wasser in Verbindung. Nicht ohne Grund: Tropische riffbildende Steinkorallen benötigen eine Mindesttemperatur von 20°C. Diese Korallen leben in Symbiose mit Zooxanthellen. Das sind einzellige Grünalgen, deren Stoffwechselprodukte die Korallen als Nahrung benötigen. Sie leben eingeschlossen im Korallenkörper.
Die Kaltwasserkorallen haben keine Symbionten und leben ausschließlich von ihrer Tätigkeit als Nesseltiere, in dem sie mit ihren Tentakeln Plankton fangen. Sie müssen  also ohne Zusatzkost auskommen. Deshalb bevorzugen sie strömungsreiche Standorte, wo ihnen viel Nahrung zugetrieben wird. Und deshalb wachsen sie auch wesentlich langsamer als ihre tropischen Verwandten. Man spricht von ca. 1 cm pro Jahr.
Die Kaltwasser-Korallenriffe kommen u. a. an den Kontinentalhängen Europas vor. In der Regel finden sie die besten Bedingungen zwischen 200 und 600 m vor. Man findet sie jedoch bis in Tiefen von 2000 m.
Die Leitarten der Kaltwasser-Korallenriffe bilden die Steinkorallen Lophelia pertusa, Linné 1758 und die ähnliche, jedoch viel seltenere Madrepora oculata, Linné 1758. In und an den Riffen ist eine Vielzahl weiterer Arten verbreitet: Schnecken, Muscheln, Stachelhäuter, Krebse, Seescheiden, Fische, Weichkorallen und, und, und. Ein reiches und vielfältiges Leben, wie wir es auch von den tropischen Korallenriffen kennen.
Es gibt einige, wenige Stellen, an denen Lophelia auch in für Sporttaucher und Unterwasser-Fotografen erreichbaren Tiefen vorkommt. An Schwedens Westküste bis 60 m und in Norwegen bis 40 m. Das sind machbare Tiefen.
Die Tauchgänge, bei denen die Fotos aus den Lophelia-Riffen entstanden sind, waren jedoch sehr anspruchsvoll: Kälte, Strömung, enge Zeitfenster durch Gezeiten und lange Deco-Zeiten. Aber der Aufwand hat sich letztlich gelohnt:
Einmalige Einblicke in einmalige Öko-Systeme!

Peter Jonas